Bärbel Höhn möchte den 'Koalitionszwang' aufheben

Interessant: Bärbel Höhn, grüne MdB, schlägt im Interview mit der Berliner Zeitung eine Aufhebung des 'Koalitionszwangs im Bundestag' vor:

"Wenn die Regierung wenig handlungsfähig ist, muss das Parlament seine Chance bekommen." Die nächsten eineinhalb Jahre bis zur Bundestagswahl könnten als politisches Experimentierfeld genutzt werden, betonte Höhn, die für die Grünen im Bundestag im Fraktionsvorstand sitzt.
Dabei sollte nach Vorstellungen Höhns die große Koalition im Amt bleiben, damit die Bundesrepublik beispielsweise in der Außenpolitik oder beim Haushalt regierungsfähig bleibt.
Hier bin ich hin- und hergerissen. Einerseits begrüße ich jegliche Initiative, dem Parlament mehr Handlungsfähigkeit einzuhauchen, andererseits ist nur allzu offensichtlich, dass dieser Vorschlag nicht funktionieren würde. Die große Koalition hat einen Koalitionsvertrag vereinbart und ein Ausschwenken aus der Koalition käme einem Bruch dieser Vereinbarung gleich. Ergo müssten die beiden Volksparteien den Vertrag in der Weise modifizieren, dass sie beispielsweise nur noch in den von Frau Höhn vorgeschlagenen Politikfeldern Außen und Haushalt zusammenarbeiten und in allen anderen Feldern 'wild koalieren' dürften. Wäre das realistisch?

Wohl schon allein aufgrund dieses von Frau Höhn vorgebrachten Argumentes nicht:
"Beim Datenschutz oder den umstrittenen Online-Durchsuchungen könnte sich dann im Bundestag beispielsweise eine Ampelmehrheit aus SPD, Grünen und Liberalen finden."
Schließlich würde die Union nicht zulassen, dass Ihr Innenminister derart 'entmachtet' würde. Aber auch unabhängig von der gegenwärtigen parlamentarischen Landschaft wäre der Vorschlag - so befürchte ich - nicht tragfähig. Die Gefahr bestünde, dass die Parteien in ein Dilemma hineinrutschen, in dem keine Partei mit keiner anderen mehr zusammenarbeiten kann, weil diese bereits mit dem politischen Gegner zusammengearbeitet hat.