Wie bewertet man Wahlergebnisse?

Klar, man schaut, wer stärkste, zweitstärkste, ..., schwächste Fraktion ist. Vergleicht also die Ergebnisse einer Wahl sozusagen horizontal.

Oder man schaut auf die Ergebnisse einer Partei im Zeitverlauf, vergleicht also das aktuelle mit dem - in der Regel - vorherigen Ergebnis. Aus dieser Sicht kann man zum Beispiel feststellen, dass die hessische SPD am gestrigen Sonntag ihr zweitschlechtestes Nachkriegsergebnis eingefahren hat.

Oder man schaut gar nicht auf die eigene Partei, sondern bewertet, wie sehr man dem politischen Gegner schaden konnte. So konnte sich Frau Ypsilanti schon zur Wahlsiegerin küren, als man zwar schon die massiven Einbrüche der CDU in Hessen erahnen, aber noch keinen endgültigen Wahlsieger feststellen konnte.

Fazit: Wahlen und deren Ergebnisse sind in gewisser Weise janusköpfig, weil sie dem politischen System einerseits klare unabweisbare Zahlen darüber vorlegen, wie ein Parlament die nächsten 4-5 Jahre zu besetzen ist. Diese Sicherheit wird aber von den Fragen überschattet, wie das Ergebnis zu bewerten ist, wo Ursachen zu suchen ist, und vor allem, wie damit nun eine Koalition gebildet werden kann. Das ist selbsterzeugte Ungewissheit, durch die sich das politische System quasi selbst auf Trab hält.