Observosphären

Datenschutz sei antiquiert, fabuliert Herr Bernd Flessner, dem bei ZEIT online das zweifelhafte Label Zukunftsforscher aufgedrückt wird. Das Interview ist erstaunlich gehaltlos und das nicht nur aufgrund seiner Kürze. Flessner kommt in erster Linie mit einer albernen Wortschöpfung - der "Observosphäre" - daher und beruft sich auf "viele Autoren, die das so oder so ähnlich sehen" wie er . Einer dieser Autoren sei Raymond Kurzweil, auf den sich Flessner mit dem Zitat beruft, in dem Moment, wo wir die ganze Welt mit Chips ausstatten, finde Speicherung einfach statt.

Das ist eine überaus technozentrierte Sichtweise, der man schwer widersprechen kann, die aber die sozialen Kategorien, um die es eigentlich geht, vollkommen ausblendet: In den Debatten um den Überwachungsstaat, die Vorratsdatenspeicherung, Kameraüberwachung öffentlicher Orte, die heimliche Ausforschung unserer Festplatten, den Umgang kommerzieller Unternehmen mit persönlichen Daten, in diesen Debatten geht es um Politik, Macht, Geld. Dass gespeichert wird, ist eine Sache, wie mit den Daten umgegangen wird, wieder eine andere. Und hier sollte man nicht den Fehler begehen zu glauben, die Gesellschaft würde von Technik beherrscht (ebenso wenig, wie die Gesellschaft unsere Technik beherrscht). Es ist ein Ringen, in dem man Gelände gewinnen kann - nicht trotz, sondern wegen sozialer Einrichtungen wie den Datenschutzbeauftragten. Und nicht, wenn man die Hände in den Schoss legt und beispielsweise Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht für ein "hoffnungsloses Unterfangen" hält.