Medien manipulieren doch

(eine Antwort auf mich)

Telepolis hat Bernd Hamm interviewt, der recht unverblümt die Meinung vertritt, Medien könnten über "Wahrheit" berichten und dabei der "Selbstaufklärung der Gesellschaft" zuarbeiten. Das täten sie jedoch nicht. Wir lebten stattdessen, so schließt er das Interview, in einer manipulierten Gesellschaft.

In seinem Essay "Medienmacht - wie und zu wessen Nutzen unser Bewusstsein gemacht wird" [Link: PDF] präzisiert Hamm seinen Manipulationsbegriff wie folgt:


"Natürlich „manipulieren“ die Medien in dem Sinn, dass sie wirkliches Geschehen gar nicht objektiv abbilden können."
Begründet ist das mit dem Umstand, dass immer ausgewählt werden muss:

Da sitzt ein Redakteur, auf dessen Schreibtisch jeden Tag 300 Nachrichten landen. Er hat aber nur Platz für fünfzig, und nur fünf kann er mehr Raum geben und Hintergrund liefern. Daraus wird dann die Grundgesamtheit dessen, was unserer Wahrnehmung überhaupt zugänglich ist.
Hamm begründet seine Manipulationsthese also mit dem Umstand, mit dem ich seinerzeit Manipulation ausschloss. Letztlich müsste Hamm das aber auch, denn wenn Medien in dem Sinn 'manipulieren', dass sie wirkliches Geschehen gar nicht objektiv abbilden können, wie können sie dann jemals nicht manipulieren? Wenn Medien also in dieser Sicht nur manipulieren können, verliert der Manipulationsbegriff jegliche Trennschärfe, oder? Und nicht zuletzt kann und muss man dann jegliche Kommunikation diesem Manipulationsvorwurf aussetzen, wie ich bereits schrieb:


Wer in der Filterung und Selektion von Information dennoch Manipulation erkennt, dürfte damit schließlich nicht schon bei Medien aufhören, sondern müsste jedem und allem Manipulation unterstellen. Jedes Wort und jeder Satz wäre Manipulation. Damit wird der Begriff der Manipulation jedoch bis zur Unbrauchbarkeit verschwommen.

Diese unvermeintliche "Manipulation" stellt natürlich nicht Hamms komplette These dar. Vielmehr formuliert er derer vier, die es zu untersuchen gilt:
1. Die Medien sind von einem Organ, das die Mächtigen kontrollieren soll, zu einem
Instrument in ihren Händen geworden.

2. Neben die – unvermeidliche – Manipulation durch Auswählen und Ausfiltern tritt die Uniformierung der ideologischen Positionen, so dass kaum mehr Unterschiede in der Interpretation von Fakten übrig bleiben.

3. Die Medien tendieren zunehmend zur Entpolitisierung, Trivialisierung und Skandalisierung der „Nachrichten“; sie befördern nicht den mündigen Bürger und kritischen Rezipienten, sondern zunehmend den hirnlosen Konsumenten.

4. Das Herausfinden wirklicher Informationen wird immer mehr zu einer anspruchsvollen Aufgabe, die sich nur wenige leisten können.
Soweit erstmal. Später mehr.