offene Briefe

Nicht trotz, sondern gerade weil der offene Brief von Ralph Giordano an
Frank-Walter Steinmeier
in seiner Konsequenz so offen gehalten ist, repräsentiert er womöglich einen Nährboden, auf dem jene Form von Staatlichkeit, die viele als Überwachungsstaat beschreiben, wachsen und gedeihen kann:


Wo sind wir eigentlich, Herr Vizekanzler? Was ist los in Deutschland? Die Bundesrepublik ist im Visier der Terroristen, aber hier in Köln läuft ein zwanzigjähriger Konvertit, der sich vor laufender Kamera zu Selbsttötungsaktionen bekannte, um ins Paradies zu kommen, als tickende Zeit- bombe frei herum. Muß tatsächlich erst Blut fließen, ehe sich die demokratische Republik in Selbstverteidigung zu wirksamen Schutzmaßnahmen gegen potentielle Attentäter oder deren Befürworter durchringen wird? Ist es im Kampf gegen den militanten Islam 5 Minuten vor oder schon 5 Minuten nach 12?
Dies auch als erneute Erinnerung daran, dass wir, die wir uns tagtäglich hier im Netz bewegen, um die Gefahren einer Vorratsdatenspeicherung wissen und an der Blindheit des Staates diesen gegenüber verzweifeln, dass wir nur allzuleicht vergessen, dass die gesellschaftliche Mehrheit möglicherweise ganz anderer Meinung ist. Und ganz im Vertrauen: 16.000 oder wieviel auch immer Demonstranten sind nicht viel. Zumindest nicht genug um irgendeinen Entscheider zu beeindrucken.