Medien manipulieren nicht

Tjaha, da schaut Ihr dumm aus der Wäsche, liebe Kinder. Aber vor dem Hintergrund dieses Filmes, der, wenn er ähnlich mit altbackener Juso-Lyrik vollgestopft ist wie sein Vorgänger 'Die fetten Jahre sind vorbei', wohl nur unter körperlichen Schmerzen angeschaut werden könnte, muss wiederholt werden:

Medien manipulieren nicht.


Medien tun natürlich eine ganze Menge: sie vermitteln Informationen, teilen also Wissen mit, das man vorher nicht hatte, sei es der Ausgang einer Wahl oder die neueste Gespielin eines Tennis-Profis. Daraus ergibt sich zwangsläufig und ebenso folgenreich: Medien teilen einem auch jede Menge Wissen nicht mit, schließen also Wissen aus, enthalten dieses vor. Das liegt aber weniger in der Natur der Medien als des Wissens. Was Medien dann zwangsläufig ebenfalls tun, ist eine Auswahl des Wissens, das sie vermitteln wollen aus dem Wissen, das es gibt zu treffen. Und diese Auswahl ist zweifellos auch oft interessengeleitet. Das kann man als Manipulation auffassen, wenn man die Subjekte derselben als nicht mehr als diese - nämlich Subjekte der Manipulation - auffasst. Wenn man also in Kauf nimmt, Menschen einen Großteil ihrer 'geistigen' Kompetenz abzusprechen. Zum Beispiel die Kompetenz, eine massenmediale Mitteilung wahrzunehmen, aber mit Vorsicht zu genießen, oder schlicht nicht zu glauben. Meine Auffassung: Man kann leblose Systeme manipulieren: einen Schaltkreis oder einen Teich. Aber keinen Menschen.

Wer in der Filterung und Selektion von Information dennoch Manipulation erkennt, dürfte damit schließlich nicht schon bei Medien aufhören, sondern müsste jedem und allem Manipulation unterstellen. Jedes Wort und jeder Satz wäre Manipulation. Damit wird der Begriff der Manipulation jedoch bis zur Unbrauchbarkeit verschwommen.

Ein weiteres Argument: wir sind durch Radio und Fernsehen Medien gewöhnt, die uns fast vollständig von jeglicher Eigenverantwortung befreien - abgesehen vom Ein-, Aus- und Umschalten. Wir waren diesen Medien quasi ausgeliefert und mussten das, was sie uns liefern, akzeptieren und annehmen - wenn auch nicht glauben. Das macht den Vorwurf der Manipultion sehr naheliegend und einfach, ist man doch überhaupt keine Eigenverantwortung gewohnt. Ohne nun das Internet als Heilsbringer gegenüberzustellen, aber: hier ist eine massenmediale Landschaft im Entstehen, die Egalität, Diversifizierung und Personalisierung in einem Ausmaß ermöglicht, das einen Quantensprung darstellt, das aber auch mit erheblich mehr Mühe im Medienkonsum verbunden ist. Das weiß vermutlich jeder, der einen Feedreader mit 100+ Feeds verwaltet.

Ein letztes Argument: wer der Manipulationsthese nachhängt, der fabriziert womöglich weinerliche und dünkelhafte Zeilen wie diese:

Wer von PISA reden will, darf vom Fernsehen nicht schweigen. Fernsehen macht dumm. Nicht das Fersehen als solches, aber Fernsehen in seiner jetzigen Form. Es gab einmal eine Zeit, da wurden im Fernsehen Intellektuelle respektiert. Da konnte einer berühmt werden, weil er wußte, wer Nietzsche war und weil er Schiller zitieren konnte. In Quizshows hatte man Erfolg als Experte eines Bereichs aus Kunst, Geschichte oder Wissenschaft. Es war einmal. All das ist vorbei.


Einige Vorlagen für etwaige anonyme Kommentatoren:

"Aber kandelaber, was ist mit der Konzentration im Medienbereich?!?!? Nur noch x mächtige Medienkonzerne kontrollieren, was wir wissen und glauben!!!!1"


"Er rafft es einfach nicht! Medien tun nichts anderes als die herrschende Meinung der Elite wiederzugeben und uns dabei ein wenig zu unterhalten, damit wir auch ja stillhalten und verblöden."