idiotae

Sie zerfleddern - wie es gerne auch wir Zeitungsmenschen tun - jedes Thema. Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt. Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung.
Mein erster Gedanke während ich jenen Artikel bei sueddeutsche.de überflog: Die sprechen von ihrer eigenen Kommentarfunktion. Umso amüsierter war ich wenige Einträge meines Feedreaders später:
“Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben.”

“Deshalb werden wir die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren."
Zufall? wahrscheinlich.

Im Übrigen hat Bernd Graff in dem Süddeutsche-Artikel ja Recht, wenn er die Unterscheidung von "Mainstream Medien" und "Graswurzeljournalismus" sowie den absurden Begriff der "Gegenöffentlichkeit" kritisiert. Muss ich ja so sagen, denn das hab ich auch schon getan.

Auch sein Bolz-Zitat spricht mir aus der Seele:

"Die Menschen", schreibt Norbert Bolz, "werden immer mehr zu - wie man im Mittelalter sagte - idiotae: also zu eigensinnig Wissenden. Die neuen Idiotae lassen sich ihr Wissen, ihre Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden." Mag sein. Verlangt ja auch keiner. Aber sollen wir uns deshalb von jeder Idiotie in die Zukunft führen lassen?
Das geht an alle, die glauben sich auf einem Blatt Papier ausrechnen zu können, wie Hochhäuser einstürzen.