an Anregungen interessiert: Kurt Beck

Was wollten Sie von dem Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands schon immer einmal wissen? Kurt Beck lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger dazu ein, ihm per Video Fragen zu stellen.
Das wird sicher ein Spaß. Kurt Beck kramt im Intro ein wenig in einem Ordner herum, um dann souverän die Hand auf einen Laptop zu legen, bevor er im Willy Brandt-Haus rumstehend Fragen vom Blatt abliest und diese zu beantworten versucht. Das alles in seinem eigenen YouTube-Kanal SPDvision.


Dort gibts auch den Aufruf zum Videowettbewerb 'Gute Arbeit', an dem, wenn alles glatt geht, niemand teilnimmt:


"ich bin sehr daran interessiert, dass Sie mir Ihre Anregungen geben..."


Update (habe 'ne Nacht drüber geschlafen): Ist es das Vorurteil gegenüber deutschen Politikern, nichts, was sie im Netz anstellen, richtig zu machen? Oder ist es wahrhaftig die Becksche Biederkeit, die aus Bildern wie diesem spricht?


Da hätte Hubertus Heil doch wenigstens Pappschilder hochhalten können, damit sein Chef nicht so unelegant mit den Blättern rumrascheln muss. Dazu dieses gewollte Setting: nur ja noch die Brandt-Statue und das Wort sozial ins Bild gequetscht. Umso überraschender wirken dann solche Verlautbarungen des Generalsekretärs:

Ein neuer SPD-Online-Beirat mit Fachleuten aus der Internetszene soll die Parteizentrale über neue Trends auf dem Laufenden halten.

Laut Heil steht die SPD auch mit Wahlkampfberatern der wichtigsten Präsidentschaftsbewerber in den USA über den Einsatz neuer Kampagnenmittel in engem Kontakt.
Ist ja prima, wenn die Fachleute und Berater Sachen sagen wie 'Hey, macht mal was mit Video, am besten direkt auf YouTube', aber wenn in der Ausführung sowas entsteht... auf diesen furchtbaren Formatrock-Loop bin ich noch gar nicht eingegangen.

Update II: Auf den Punkt in einem ganz anderen Zusammenhang bringt es Roman Mischel bei onlinejournalismus.de:

Einer der größeren Fehler in Sachen Online-Video ist nach wie vor, dass sich viele Macher am Fernsehen orientieren und versuchen, es mit billigeren Mitteln zu kopieren. Tatsächlich dürfte die Stärke von Online-Video aber in der klugen Kombination von geschriebenen Text und bewegtem Bild liegen.

Genau das (neben dem Formatrock-Loop) ist es, was die 40 Sekunden Texteinblendung in dem Videowettbewerb-Video so zur Qual macht.