Verzögerung

Eine schöne Idee, die Frank Schirrmacher da für die Süddeutsche formuliert (und in der FAZ auch):

Die Zeitung liefert eine Haltbarkeit von mindestens 24 Stunden, und in ihren Kommentaren, Rezensionen und Kritiken will sie sogar vor der Nachwelt bestehen. Im Vergleich zum Internet ist sie das verzögernde Moment in der gesellschaftlichen Kommunikation. Deshalb wird sie immer unverzichtbar sein.
Warum sollte sich gesellschaftliche Kommunikation verzögern lassen? In der Vergangenheit habenwohl durchweg Technologien gesiegt, die zur Beschleunigung von Kommunikation beitrugen. Und es wird wohl immer Zeitgenossen gegeben haben, die mahnten und warnten und zur Entschleunigung aufforderten. Dass die weitgehend ungehört blieben belegt: Gesellschaft und damit Kommunikation bestimmt ihr eigenes Tempo. Wer es gerne langsamer mag, kann versuchen, es für sich langsamer einzurichten. Aber vermutlich werden die gesellschaftlichen Erwartungen, Normen und Zwänge so ein Verhalten mittelfristig erfolgloser werden lassen. Und die Zeitung in Papierform wird damit immer verzichtbarer werden.