Verbände

Es sind zwei Themen, die für sich genommen nichts miteinander zu tun haben, die aber auf ein grundsätzliches Dilemma in der Verbändedemokratie verweisen, sowohl auf Seiten der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber.

Auf der einen Seite die streikenden Lokführer, die sich erdreisten, für hohe Lohnsteigerungen zu streiken, die in ihrer Verbundgewerkschaft nicht einmal gefordert worden wären.

Auf der anderen Seite der Arbeitgeberverband Postdienste, dominiert von der Post AG, der beim BMAS einen Mindestlohn für die Briefzustellerbranche beantragt hat, über die Interessen privater Postdienstleister wie der PIN AG hinweg.

Auf der einen Seite ein Beispiel für kleine heterogene Verbände, die als solche aber besser Partikularinteressen vertreten können.

Auf der anderen Seite ein großer, politisch schlagkräftiger Verband, der über den Kopf anderer hinweg entscheiden, aber entscheiden kann, und dies in einer auf das politische System gerichteten Wirkung.

Dies ist das Dilemma: schwindende Vertretung der Interessen kleinerer zugunsten größerer politischer (auch Lobby-)macht. Oder bessere Vertretung von Individualinteressen auf Kosten von Lobbymacht. In der Vergangenheit schien der Aufbau immer größerer Verbände, vorwiegend durch den Zusammenschluss kleinerer, die überlegene Vorgehensweise. Doch inzwischen scheint dieser Weg besonders für die Gewerkschaften immer weniger plausibel, besonders unter dem Dach von Großgewerkschaften wie Ver.di oder der IGM, in denen inzwischen völlig verschiedene (Teil-)branchen gebündelt sind und aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Gleichzeitig zeichnet sich für sie ab, dass Lobbyismus wenig lohnenswert ist, wenn sich sogar die SPD wenig um die Meinungen und Wünsche der Gewerkschaften schert.