politische Kommunikation im Web 2.0 II

Das Magazin Politik & Kommunikation bewertet die Internetauftritte von Abgeordneten und moniert, Politik würde das Netz immer noch zu sehr als Verkündigungsplattform betrachten.
Derweil werden andernorts 'Open Source Politics' propagiert:

Open-source politics is the idea that social networking and participatory technologies will revolutionize our ability to follow, support, and influence political campaigns. Forget party bosses in smoky backrooms—netroots evangelists and web consultants predict a wave of popular democracy as fundraisers meet on MySpace, YouTubers crank out attack ads, bloggers do oppo research, and cell-phone-activated flash mobs hold miniconventions in Second Life. The halls of power will belong to whoever can tap the passion of the online masses.
Der Berliner Lokalpolitiker Friedbert Pflüger versucht sich einstweilen als Blogger, fällt gehörig auf die Nase und hat vermutlich bereits jetzt keine Lust mehr.

Das sind alles Momentaufnahmen von den Reibungen zwischen politischer Kommunikation und den neuen Kommunikationsformen, die jene 'neuen Medien' in die Gesellschaft einführen. Und die Frage, ob die dabei frei werdende Energie wirkungslos verpufft oder im politischen System tatsächlich zu Variationen führt, ist aus meiner Sicht noch weitgehend unbeantwortbar.

Kann ein bloggender Politiker er selbst sein? Authentisch sein?

Solange er den Weisungen und Disziplinierungen seiner Partei und seiner Fraktion unterworfen ist, ist das mehr als fraglich. Diese Mechanismen sind innerhalb der Strukturen des 
Parlamentarismus aber unumgänglich. Weiter gefasst, verweisen all jene angepriesenen 
Formen der neuen Netzkommunikation auf die Hoffnung, die scheinbare Brücke zwischen Politik 
und Gesellschaft überwinden zu können. Das ist nicht zuletzt auch die Grundaussage des Cluetrain Manifesto for People Powered Politics. Dem setze ich erneut mein Mantra entgegen, dass Politik sich nach außen abschließen muss, nicht hemungslos alles nach außen plausibilisieren und erklären kann. Denn würde sie damit erst beginnen, würden unkontrollierbare Kommunikationslasten auf sie einströmen. Antworten würden neues Nachfragen und neue Fragen anderer provozieren. Politik muss gewisse kommunikative Barrieren um ihrer selbst Willen aufrechterhalten.

Unzweifelhaft ist, dass Politik auf Netzkommunikation früher oder später wird reagieren müssen. Die Frage ist wie. Die nahe liegendste Antwort ist derzeit leider eine verstärkte PR-Tätigkeit, die sich dann eben auch auf Netzkommunikation ausstreckt. Das wird durchschaut werden können. Und damit tut sich Politik keinen Gefallen.

P.S.: in ähnlicher Weise habe ich bereits in diesem Beitrag argumentiert. Daher zitiere ich mich einfach mal selbst:

All dies verleitet zu der These, dass die gegenwärtige politische Kommunikation mit der oben beschriebenen Netzwerkkommunikation nicht wirklich zusammenpasst. Politik ist daran gewöhnt, Informationen von oben nach unten tropfen zu lassen, ohne große Möglichkeiten, von unten nachzufragen oder zu kritisieren. Je mehr sich Netzwerkkommunikation um die Politik herum manifestiert und etabliert, desto mehr wird sich die Politik die Frage gefallen lassen müssen, warum sie am veralteten massenmedialen Ansatz festhält. Täte sie das jedoch nicht und ginge auf die Nachfragen bei abgeordnetenwatch.de oder auf etwaige Blog-Kommentaren ein, müsste sie entblößen, dass nahezu ausschließlich mit immer denselben Musterbriefen, Standardsätzen und der Koalitionsdisziplin gefälligen Formulierungen hantiert würde.