vom 'guten Demokraten'

Ich gebe zu, ich bin gelegentlich schadenfroh. Angesichts offenkundiger Dummheit anderer - aber nur solcher Dummheit, die niemandem wehtut, selbstverfreilich - kann ich mich vortrefflich laben. Natürlich nur indem ich leise in mich hinein lächle, nicht durch penetrantes Gegröle, versteht sich.

Leicht fällt mir das in-mich-hinein-Lächeln, schaue ich mir Meldungen über die tolldreist dämliche Idee von Union und SPD an, die staatlichen Zuwendungen an sich selbst zu erhöhen. Groß auslassen möchte ich mich darüber nicht. Es ist dämlich, daher lustig und aus diesem Grund toll.

Interessanter finde ich den Hintergrund, nämlich die sinkenden Mitgliederzahlen der Parteien, für die man schnell mit Erklärungen bei der Hand ist. Zum Beispiel ein gewisser P. Vogel, der den Kommentarbereich des Artikels Union und SPD wollen nur ein bisschen mehr bei Welt Online dafür nutzt zu erklären:


Weniger Mitglieder... warum nur? Die Wahlbeteiligung geht zurück... warum nur?
Wegen der überzeugenden Leistungen der Parteien für die BürgerOh nein! Und das bürgerfremde Verhalten der Parteien noch belohnen aus Steuergeldern? Das Leistungsprizip muß gelten... wer Perspektiven bietet wird gewählt und gewinnt auch Mitglieder.

Je besser die Leistung einer Partei, desto mehr Neumitglieder darf sie begrüßen? Das klingt vielleicht auf den ersten Blick einleuchtend und mag auch Teil eines Sets von Gründen sein, einer Partei beizutreten (oder eben im Umkehrschluss nicht beizutreten), aber eben nur Teil. Schlüssig wäre schließlich auch die These, dass man angesichts gut geölter Politik und Wunder vollbringender Parteien überhaupt keine Notwendigkeit mehr sähe, irgendwo beizutreten, weil: läuft doch alles prima. Und dass man, wenn die Wunder ausbleiben, in die Partei seiner Wahl eilt, um seinen Teil zur Verbesserung des Zustandes beizutragen. Natürlich kann man nicht außer acht lassen, dass die Parteien sich in quasi-hierarchische Organisationen verwandelt haben, in denen man - zumindest auf Bundesebene - als Einzelner nichts mehr bewirken kann. Auf kommunaler Ebene sieht das aber wieder ganz anders aus, zumindest aus meiner Erfahrung. Zwischenfazit also: so einfach ist das alles wohl doch nicht.

Aber weitreichender gedacht: all diese Fragen und Antworten gehen im Grundsatz noch von einer durchweg politisierten Gesellschaft aus. Jede und Jeder habe sich gefälligst irgendeiner politischen Gruppierung zugehörig zu fühlen und wenn sie oder er das einfach unterlässt, ist das Rätselraten groß. Doch warum sollte das überhaupt so sein? Faktisch ist es völlig einfach, in Ordnung, legitim und vermutlich auch folgenlos, in politischer Hinsicht Fünfe gerade sein zu lassen und sich um die Dinge zu kümmern, die einem am Herzen liegen und interessieren. Aus dieser Sicht ist die Norm vom 'Guten Demokraten', der lebenslang Mitglied einer Partei ist und keine Wahl auslässt vielleicht einfach nicht mehr zeitgemäß.