Steinmeier

Vor zwei Tagen noch schrieb ich zur Person Frank-Walter Steinmeier: "Man kann annehmen, dass die Opposition ihn derzeit auch deshalb schont, um sein Amt nicht zu beschädigen."

Doch wird er geschont? Am überraschendsten fand ich Peter Strucks Plädoyer für Kurt Beck als Kandidaten, also mithin gegen Steinmeier. Kritik aus den eigenen Reihen also. Begründung: "Beck kann die Menschen begeistern - auch auf Marktplätzen und im direkten Gespräch". Nunja, Wahlkämpfe entscheiden sich wohl kaum noch auf Marktplätzen oder in Fußgängerzonen. Maßgeblich ist die Medientauglichkeit eines Kandidaten; wie diese im Falle Kurt Becks aussieht, darüber möchte ich hier nicht urteilen. Hintergrund für Strucks Äußerungen ist wohl vor allem der SPD-Parteitag Anfang September. Eine überzeugende Bestätigung Becks als Parteivorsitzenden ist mitentscheidend für seine etwaige Kanzlerkandidatur. Jetzt über mögliche andere Kandidaten zu reden, ist daher innerparteilich schädlich.

Doch auch die Opposition arbeitet sich an Steinmeier ab, nämlich der FDP-Obmann im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, Werner Hoyer. Dass Steinmeier vorschnell Erschöpfung als Todesursache der Geisel Rüdiger D. angegeben habe, wundere ihn sehr. Das ist natürlich Kritik, aber - so denke ich - in Watte gepackte. Dass Herrn Hoyer etwas "wundert", könnte man schließlich auch ihm zur Last legen. Angriff sieht anders aus. Also womöglich doch Schonung des Amtes, verbunden mit sanfter Kritik?

Das Afghanistan-Thema beschäftigt auch den Tagesspiegel und hier haben wir Kritik direkt aus den Reihen der Massenmedien. Steinmeier werden drei verbale "Unsicherheiten" attestiert, darunter dieselbe Aussage, wie jene, die Hoyer sich wundern ließ. Doch auch hier: die Kritik wirkt nur, weil Steinmeier zu Beginn des Artikels völlig überzogene Eigenschaften der Makellosigkeit zugeschrieben werden:

Die Maschine wird menschlich. Sie läuft nicht mehr rund. Sie fängt an, Fehler zu machen. Die Rede ist von Frank-Walter Steinmeier, dem Bundesaußenminister. Er, der überperfekte Dr. Makellos, der ameisenfleißige Aktenfresser, die graue Effizienz, der unauffällige Technokrat und Staatsdiener per excellence, ausgerechnet er hat sich in den vergangenen zwei Wochen drei Mal kräftig im Ton vertan.

Ich korrigiere mich: im Amt des Außenministers lebt es sich nicht kritikfrei. Auffällig ist dennoch, dass Kritik etwas verhaltener geäußert wird, als man es sonst von politischer Kommunikation kennt.