PR und die Medien

Nachdem Report Mainz am Montag über komplett vorgefertigte Medienpakete aus Ursula von der Leyens Ministerium berichtete, die bereitwillig von ca. 300 Redaktionen und Sendern übernommen wurden, greifen nun weitere Medien das Thema auf.

Es fällt auf, wie sehr das Thema in Richtung der Auftrag gebenden Ministerien (erst Wirtschaft, jetzt Familie, Senioren, Frauen und Jugend) gebogen wird. Verantwortlich sind streng genommen allein die Sender und Redaktionen, denn laut Rundfunkstaatsvertrag müssen Anzeigen und PR-Beiträge als solche kenntlich gemacht werden. Klar ist auch, dass praktisch sende- oder druckfähige PR angesichts schwindenden Personals und wachsenden Kostendrucks sehr verlockend ist. Dennoch könnte man fragen, ob hochgradig professionalisierte PR und deren Auftraggeber auf die schwierigen Umstände insbesondere kleiner Medien Rücksicht nehmen müssen. Dafür gibt es weder Anlass noch Motivation. Auf Moral zu pochen, wäre nichts anderes als heuchlerisch.

Bemerkenswert - wenn auch vermutlich wenig überraschend - ist, dass es die kleinen, "namenlosen" Medien sind, mit denen man 55 Millionen Menschen erreichen kann. Wird einerseits die vielfältige und diversifizierte Medienstruktur als Stärke gesehen, so offenbart sich jetzt deren Schwäche, die einen fruchtbaren Boden für die Public Relations-Industrie darstellt. Einseitige Kritik an den großen Massenmedien wie dem Spiegel oder den öffentlich rechtlichen verhüllt möglicherweise noch größere Defekte der Medien insgesamt.