Kirchmöser

Frank-Walter Steinmeier glänzte bis zu seiner Ernennung als Bundesaußenminister vorwiegend im Hintergrund, war Büroleiter des niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, später Chef des Bundeskanzleramtes und als solcher engster Vertrauter von Schröder. Nachteil: ihm fehlt der sozialdemokratische "Stallgeruch", er gilt als Technokrat.

Abhilfe soll nun sein pompöser Einzug im SPD-Ortsverein Kirchmöser in Brandenburg leisten, wo er bereits designierter Kandidat für ein Bundestagsmandat ist.Die sozialdemokratische Bodenhaftung wird ihm also quasi nachträglich und vergleichsweise plump angeklebt. Selbstverständlich hat man einen recht sicheren SPD-Wahlkreis auserkoren. Steinmeier wird zwar einen einstelligen Listenplatz in Brandenburg einnehmen, aber so ein Direktmandat macht sich ja gleich viel besser.

Als Hintergrund wird von Spiegel Online eine mögliche Kandidatur für das Kanzleramt genannt, die ohne Parteibindung als aussichtslos gilt. Das wiederum verweist auf die hintergründig brodelnden Bedenken, die Partei wie auch Öffentlichkeit mit dem anderen Kandidaten für die Kandidatur, Kurt Beck haben. Steinmeier ist beliebt. Damit profitiert er von dem Bonus, den bislang wohl jeder Außenminister innehatte. Kein Zweifel, das Amt des Außenministers ist ein gefälliges. Man hat ständig Bildmaterial von internationalem Parkett, tritt Seite an Seite mit Staatsgrößen aus aller Welt auf, ist watteweich in die Vorkehrungen des diplomatischen Korps eingebettet und kann sich leicht als Macher, Entscheider und Krisenmanager darstellen. Vor allem aber hält man sich von den Niederungen der Innenpolitik mit ihren quälenden Debatten und Kompromissen angenehm weit entfernt.

Steinmeiers Beliebtheit macht ihn also scheinbar zu einem idealen Kandidaten. Dennoch ist er nicht unbefleckt. Die Kurnaz-Affäre haftet ihm an und die Auslandseinsätze der Bundeswehr, für die der Rückhalt in der Bevölkerung immer weiter schwindet, werden ihm auch zugerechnet.
Man kann annehmen, dass die Opposition ihn derzeit auch deshalb schont, um sein Amt nicht zu beschädigen. Klar ist aber auch, dass man darauf im Wahlkampf keine Rücksicht mehr nehmen würde. Möglich also, dass Steinmeier sich einem Gewitter aus Kritik ausgesetzt sähe und sein Bonus sehr schnell dahinschmölze.