Wissenschaft und Recht

Die wohl faszinierendste Lektüre des gestrigen Tages erbot sich mir bei unfehlbar.net. Aktuelle Erkenntnisse aus der Neurologie werden auf das Recht und darin die Frage des freien Willens angewandt, um dann mit dem Wissen der Quantenmechanik angereichert zu werden.

Ein paar Gedanken von mir: die Gesellschaft hat schon immer spezifische Bilder des Menschen geformt. Der Mensch in seiner Ganzheit kam nie darin vor, sondern immer in Form von Begriffen wie Seele, Geist, Psyche, Person, Individuum oder als Homo Oeconomicus oder Zoon Politikon. Es geht also um kommunikative Zu- oder Beschreibungen. Gleiches gilt für die Zuschreibung eines freien Willens. Dass die Wissenschaft dieses soziale Bild vom Menschen nun aktualisiert, ist Teil ihrer gesellschaftlichen Funktion; ob dieses Bild in anderen Gesellschaftsbereichen als der Wissenschaft – zum Beispiel dem Recht - anschlussfähig ist und dort für Variationen oder Strukturänderungen sorgt, ist nicht absehbar, aber auch nicht notwendig. Das Bild des Menschen richtet sich weniger nach dem, was man je gegenwärtig für realistisch hält, sondern nach dem, was sozial notwendig ist. Demokratie z.B. ist nicht ohne Individualisierung denkbar.