Ein Monat und weiter

Ein Monat Sociowatch und immerhin 28 Postings. Das entspricht nicht ganz der „Täglich ein Posting-Regel“, die ich mir selbst auferlegt hatte, aber der kann und will ich auch nicht länger folgen, schließlich gibt es Zeiten wie diese, in denen die Turbulenzen des Alltags doch überwiegen. Und Zeiten wie diese, in denen die Nachrichtenlage und meine eigenen Synapsen nicht wirklich für Inspiration sorgen.

Klarer bin ich mir in dem einen Monat darüber geworden, warum ich eigentlich blogge. Zum einen, weil ich Politikwissenschaftler bin, mich für Politik interessiere und gerne darüber schreibe. Zum anderen, weil mein theoretischer Background, nämlich soziologische Systemtheorie nach Niklas Luhmann, einen Blick auf Politik – aber eben nicht nur diese – erlaubt, der nicht unbedingt dem Alltagsverständnis entspricht.

Ich blogge auch, weil das Niederschreiben von Gedanken mich in der Auseinandersetzung mit diesen ungleich mehr anregt, als es das bloße Denken oder auch das Gespräch. Beim Schreiben entdecke ich Strukturen, Abzweigungen und Querverweise, die sich sonst sicher nicht so leicht aufgetan hätten.

Das sind alles gute Gründe zum Schreiben, aber noch keine zum Bloggen. Gäbe es nur diese Gründe, könnte ich auch alles in eine Word-Datei tippen und mir die gelegentlich anschauen. Aber natürlich möchte auch ich gelesen werden. Und ich möchte den Leser herausfordern, Dinge auch von einer anderen Warte aus zu sehen. Wie im Beitrag ‚Politikverdrossenheit in Deutschland. Wohin führt uns die Parteiendemokratie?’. Dabei übertreibe ich gelegentlich auch maßlos, wie im Beitrag ‚Vernunft in der modernen Gesellschaft – Warnung: Theorie!’, den ich immer noch gerne fassungslos anstarre.

Herausfordern möchte ich aber vor allem die politische ‚Blogosphäre’ Deutschlands, die sich mir – soweit ich sie bislang erkunden konnte – als relativ homogene Gruppe darstellt. Natürlich kritisiert man fortwährend, meistens auch zu Recht. Natürlich ist man auch durch die Bank irgendwie links und liberal. Selten ist man visionär oder auch utopistisch. Im Prinzip ist man meistens langweilig. Man macht es sich bequem in der linken Kritik-Avantgarde, der nur allzu leicht entgegnet werden könnte, Kritik um der Kritik Willen zu betreiben. Weder Themen noch Meinungen überraschen wirklich.

Hier wollte ich mich nicht wieder finden. Daher wählte ich den – gar nicht unbedingt schwierigeren Weg – mich vordringlich den Notwendigkeiten zu widmen, denen sich die Gesellschaft und damit auch die Politik selbst unterworfen haben. Natürlich lügen Politiker, wie könnten sie anders. Natürlich orientieren sich Unternehmen am Profit, woran denn sonst. Und ja, auch die Massenmedien haben keinen inhärenten Anspruch auf Wahrheit. Dies sind Resultate einer bestimmten Beobachtungsweise der Gesellschaft, die ich mir auferlegt habe. Und ich maße mir an zu sagen, dass Kritik an ein Verständnis der Gesellschaft nur anschließen kann und ihr nicht vorausgehen darf.

Mit diesem Beitrag nehme ich am BlogProjekt: ‚Ziele mit dem eigenem Blog!’ von Blogschrott.net teil.