Schon wieder im Meinungsdickicht

Auch wenn mir nicht ganz klar ist, worauf er hinaus will, so beschreibt Selim Özdogan in seiner Kolumne bei ZEIT.de die Vorrangstellung von Meinungen und vor allem deren nur scheinbare Verbindlichkeit in der modernen Gesellschaft wesentlich prägnanter als ich es hier und hier versucht habe.

Ich sehe keine Zweifel. Und das führt dazu, dass ich langsam niemandem mehr glaube. Niemand ist völlig im Recht. Oder völlig im Unrecht.

Niemandem mehr zu glauben, das ist die Konsequenz daraus jede Kommunikation als Meinung und jede Meinung als nicht mehr als eine Meinung entlarven zu können. Kommunikation wird unglaubwürdig und die moderne Gesellschaft stellt sich auf Dissens ein. Das kann ich – wie aufmerksame Leser vielleicht merken – nicht oft genug sagen, denn es ist für ein Verständnis der modernen Gesellschaft absolut grundlegend und folgenreich. Meiner Meinung nach zumindest. Denn hieraus erwächst ebenso die Möglichkeit zu permanenter Kritik als auch zum Prozessieren jeglicher denkbaren Position als Meinung.

Ist das eine Herabstufung von Kritik am politischen System? An der Wirtschaftsordnung? Nein. Die Kritik ist nicht hochwertiger oder niederwertiger als die Position die sie kritisiert, denn es ist lediglich die Gegenmeinung zu einer Meinung („Ja, verdammt!“). Dass diese grundsätzliche Egalität dann wiederum durch Mechanismen wie den besseren Zugang zu Medien oder den Mächtigen durchbrochen wird, ist ein Prozess, an dem ich mir bislang noch weitgehend die Zähne ausbeiße.